Kuschen aus Profitgier

Schlechteste Nachricht der letzten Woche: Der Ständerat hat mit 37 zu 4 Stimmen die Motion von SP-Ständerat Matthias Aebischer betreffend Importverbot von tierquälerischen Produkten bachab geschickt.

Hand aufs Herz: Denken Sie an das lebende Tier, wenn Sie genüsslich ein Steak oder (passend zu Weihnachten) ein Fondue Chinoise verspeisen? Sie gehen vermutlich davon aus, dass besagtes Tier zu Lebzeiten anständig behandelt und zuletzt auch ein ebenso anständiges Ende hatte, bevor es bei Ihnen auf dem Teller landete. Da haben Sie auch weitgehend Recht, was die Tierhaltung und Fleischproduktion bei uns in der Schweiz anbelangt. Vor allem sind in der Schweiz tierquälerische Produktionen verboten – soweit so gut.

• Was aber, wenn im Ausland nicht alles verboten ist und solche Produkte problemlos in die Schweiz kommen, weil es niemand verbietet?

• Was aber, wenn die Gründe dazu in esskulturellen Unterschieden liegen?

• Was aber, wenn ebensolche Gewohnheiten massive Gräben aufreissen und zu politisch dramatischen Konsequenzen führen?

Wir vom ATs meinen klar, dass es widerwärtig ist, nur aufgrund von angeblich gastronomischen Gewohnheiten Tiere zu quälen. Ebenso ist es sowohl unsinnig wie widersprüchlich, der eigenen Landwirtschaft hohe Auflagen zu machen und gleichzeitig beim Import wegzuschauen.

Notabene des schnöden Mammons wegen – und um interkantonale Differenzen zu vermeiden. Fakt ist: die frankophone Region fährt auf dem Gleise von Frankreich, welches die Gänseleber als „nationales und gastronomisches Kulturerbe“ bezeichnet und somit sogar die Produktion rechtfertigt (in Europa ist diese grausame Praxis neben Frankreich „nur“ noch in Spanien, Ungarn, Bulgarien und Belgien erlaubt). Jeder einigermassen mitfühlende Mensch wird ausserstande sein, nach dem Anschauen eines „Gänsestopf-Videos“ einen Bissen runterzukriegen.

Es muss einer Schweiz als Nation möglich sein, überkantonal einheitliche Regelungen zugunsten des Tierwohls und zulasten persönlichen Geschmacks einzuführen! Ganz und gar heuchlerisch wird es, wenn Grossbetriebe wie die Migros zwar offiziell keine Stopfleber in den Läden anbietet. Via LeShop ist es in der Westschweiz offenbar prima möglich, diese zu bestellen.

Im Übrigen reden wir hier nicht nur von der Gänsestopfleber. Auch Froschschenkel, Haiflossen sowie Leder von bedrohten Tierarten sind im selben Topf und bedürfen dringend Schutz! Doch so lange die Politik vor Profitgier und Konfliktscheu kuscht, ändert sich leider gar nichts. Eine kleine Hoffnung besteht, dass sich Interessenverbände zusammenschliessen und allenfalls eine Volksinitiative lancieren (erste Nachrichten dazu gab es).

Was können SIE persönlich tun, um endlich eine Änderung dieser grausamen Praktiken zu erreichen?

• Verzichten Sie auf den Kauf und den Genuss sogenannter „Delikatessen“

• Schauen Sie genau auf alle Etiketten solcher Produkte

• Sprechen Sie im Supermarkt / im Laden / im Restaurant die Verantwortlichen an und zeigen Sie Ihren Unmut 

 

10. Dezember 2017